text&beat

19. Dezember, 20 Uhr: THE TIME OF MY LIFE

TEXT&BEAT@ORANGEPEEL XXIII
Ein Abend mit und über Dirty Dancing
Mit David Kleingers, Hannah Pilarczyk und Christoph Twickel
Moderation: Christina Mohr und Klaus Walter.

2.000 Briten wurden kürzlich befragt, welche Musik sie beim Sex am liebsten mögen – noch vor Ravels ewigem „Bolero“ und „Sexual Healing“ von Marvin Gaye ist die Musik aus „Dirty Dancing“ der favorisierte Sex-Soundtrack. Ein Grund mehr, die Teenie-Schmonzette „Dirty Dancing“ gar nicht erst zu ignorieren? Nein, falsch. Ignorance of your culture is not considered cool! Frei nach David Byrnes Diktum hat sich eine Gruppe von AutorInnen den Blockbuster von 1987 noch mal angesehen und ist zu erstaunlichen Resultaten gekommen. „Dirty Dancing“ wurde für läppische fünf Millionen Dollar produziert, im Kino spielt er rund 200 Millionen Dollar ein. Trotzdem gilt „Dirty Dancing“ bis heute als „Chick Flick“, als Mädchenfilm. Mit dem angeekelten Blick auf erfolgreiche Produkte der amerikanischen Massenkultur ignoriert die Popkritik die Qualitäten des Films und gefällt sich in herablassender Verachtung.
„Verachtung also. Doch erklären konnte sie gar nichts: nichts von der weltweiten Begeisterung, nichts von dem Nerv, den ausgerechnet dieser Film getroffen hatte.“ Sagt Hannah Pilarczyk und bietet zum Silber-Jubiläum Erklärungen an. Die SPIEGEL- Redakteurin ist Herausgeberin von „Ich hatte die Zeit meines Lebens“ (Verbrecher Verlag). Das Buch unterzieht den Film einer Neu-Lektüre und entdeckt verschüttete, übersehene Handlungsstränge und Motive.
Der Film spielt im jüdischen Milieu der Ferien-Resorts in den Catskill Mountains. Der Sound markiert den jeweiligen sozialen Raum, die betuchten Gäste tanzen Mambo, zu handfestem Soul praktiziert das Dienstpersonal the real Nahkampf dirty dancing. Erzählt wird von den „Rites De Passage“ einer jungen Frau, die ihre Sexualität entdeckt und ihre Wünsche formuliert, gegen den Widerstand der Familie. Pilarczyk versteht „Dirty Dancing“ als emanzipatorischen Film. Nach dem Lesen dieser feministischen und politischen Neubewertung sieht man den Film mit anderen Augen, hört mit anderen Ohren.
Was zu beweisen sein wird bei text&beat. Mit dem Berliner Filmhistoriker David Kleingers wird Hannah Pilarczyk den Dirty Dancing-Rehab versuchen, musikalisch flankiert von Christoph Twickel. Der Hamburger Journalist beschäftigt sich in seinem Tropeninstitut als Club- und Radio-DJ (byteFM) mit Mambo, Salsa und Artverwandtem.

Eintritt: 6,- / ermäßigt 4,-
Veranstalter: text&beat im Orange Peel, Kaiserstraße 39, 60329 Frankfurt

text&beat sind: Carolin Callies, Silke Hartmann, Jakob Hoffmann, Andrea Marschall, Christian Metz, Christina Mohr, Benjamin Seibel, Kai Staudacher, Klaus Walter

Gefördert vom Kulturamt Frankfurt am Main // Präsentiert von ByteFM