text&beat

Mittwoch, 28. Juni 2017, 20 Uhr

text&beat@orange peel

Enjoy your li(f)e! – Fake I – Ein Abend mit echten Fakes und falschen Fakten

Sonja Veelen – Soziologin an der Philipps-Universität Marburg
Prince Valium – Exilfranzose, Superheld und Powerchansonnier
Moderation: Isabella Heil und Alana Schenk (BuMP)
DJ-Kollektiv Blendwerk (Bielefeld) unter der Leitung von Klaus Walter

Wer hoch stapelt, fällt tief? Der Hochstapler ist ein Meister der Blendung und fasziniert mit seinem betrügerischen Schauspiel. Er ist so alt wie die Gesellschaft, deren Regeln und Schranken er zum Narren hält. Die Geschichte ist voll von falschen Prinzen und Propheten. Im Zeitalter alternativer Fakten, Fake-News und der Selbstdarstellung auf der Bühne sozialer Medien ist die Ausnahme selbst zur Regel und zum sozialen Gebot geworden. Der Hochstapler, einst schillernder Held mit bürgerlicher Chuzpe à la Felix Krull, hat die feine Gesellschaft verlassen und ist zur Jedermannsfigur geworden. Wir alle spüren den alltäglichen Zwang, uns selbst zu fälschen, darstellerisch über uns und das Gewöhnliche hinauszuwachsen und dabei den anderen immer einen Schritt voraus zu sein. Das Blendwerk weiß um die Normen und Hoffnungen des Zeitgeistes, mit denen der Ich-Ikonograph spielt, um die kostbare Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Doch was fasziniert uns an der Perfektion des Scheins? Welche Rahmenbedingungen liefert die Gesellschaft zur Hochstapelei? Und wie hat sich die Figur des Hochstaplers im Laufe der Zeit gewandelt?

Isabella Heil und Alana Schenk von der Buch- und Medienpraxis der Goethe-Universität Frankfurt gehen dem Phänomen des Hochstaplers in Literatur, Musik, Film und sozialen Medien nach. Sie sprechen mit Sonja Veelen, Soziologin und Autorin des Buches „Hochstapler – wie sie uns täuschen“ und dem französischen Shooting-Star und Ein-Mann-Kunstwerk Prince Valium. Seine musikalische Einlage lockt anschließend mit echt französischem Charme und weltmännischem Spleen. Einen tanzbaren Abschluss liefert das DJ-Kollektiv Blendwerk aus Bielefeld unter der Leitung von Klaus Walter. Doch Vorsicht: Nicht alles, was an diesem Abend die Bühne betritt, ist fälschungssicher!

Eine Veranstaltung des Kurses Kulturmanagement 2017 der Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität unter der Leitung von Silke Hartmann
Gefördert vom Kulturamt Frankfurt am Main und der Goethe-Universität

Eintritt: 7,- / 5,-
Veranstaltungsort: Orange Peel, Kaiserstraße 39, 60329 Frankfurt am Main

Sonja Veelen ist Diplomsoziologin. Sie hat Soziologie, Psychologie und Medienwissenschaften studiert und arbeitet seit 2008 an der Philipps Universität Marburg. 2012 erschien ihr Buch Hochstapler – Wie sie uns täuschen, eine soziologische Analyse über Mechanismen und Tricks des Hochstaplers.

Prince Valium spielt französischen Powerschlager. Nach einer kurzen, aber legendären Karriere als Pornostar in Japan, arbeitet der Exil-Franzose aus der Bretagne beim Fernsehen und knüpft Kontakte mit Showgrößen wie Roberto Blanco oder Dj Bobo. 2003 startete er das Soloprojekt Prince Valium: The King of the Powerchanson! Ein Exil-Franzose und Superheld. Eine Loopstation, ein Theremin und ein Bügelbrett. Serge Gainsbourg trifft auf als Trio, mit einer Prise Dilettantismus. Ein dadaistisches Feuerwerk, mit einer Brise Liebe.

Klaus Walter ist Popkritiker. Er schreibt über Popkultur, Fußball und Politik. Seine Radiosendung Der Ball ist rund wurde mehrfach zur besten Radiosendung Deutschlands gewählt. Seit 2008 arbeitet er als Redakteur und Moderator für das Internetradio ByteFM. 2005 erschien Plattenspieler, ein gemeinsames Gesprächsbuch mit Frank Witzel und Thomas Meinecke. 2009 wurde die Fortsetzung Die Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht.

Blendwerk ist ein DJ-Kollektiv aus Bielefeld. Ebenso wie die Stadt ist auch das Kollektiv längst zum unergründlichen Mythos geworden. Fest steht nur: Da wo sie auflegen, bebt die Tanzfläche!

BuMP 2017 sind Diana Marcela Barreto Páez, Janine Bartsch, Isabell Becker, Alejandra Diaz Caballero, Laura Febbo, Jessica Günzel, Isabella Heil, Lara Hertz, Melissa Kaletsch, Florian Kind, Florian Leis, Katharina Monaco, Maria Gabriela Mota Pereira, Natali-Lina Pitzer, Alexa Pukall, Janina Rehschuh, Irina Schad, Melissa Schäfer, Alana Schenk, Simona Schliessler, Inga Seggelmann, Jerzy Sobotta, Julia Stricker, Katharina Swientek, Julia Wernig, Greta Zimmermann

text&beat sind Jesko Bender, Carolin Callies, Silke Hartmann, Malte Kleinjung, Michael Müller, Kai Staudacher, Klaus Walter

Mittwoch, 26. April 2017, 20 Uhr

text&beat@orange peel

Was hat uns bloß so ruiniert? – Aufstand der Rechten

Ein Abend mit Cornelia Koppetsch, Katja Kullmann und Oliver Nachtwey

Moderation: Malte Kleinjung und Michael Müller

Rosskuren ähneln Selbstzerfleischungen. Beide gehen den Betroffenen an die Substanz. Zugleich besteht ein Unterschied: Die einen führen vielleicht zu einer Besserung, die anderen stets zu nichts. Ob sie sich einer Rosskur unterziehen soll oder eine Selbstzerfleischung verhindern muss, versucht die Linke gerade herauszufinden. Sie leckt ihre Wunden, nachdem die Rechte international den Aufstand geprobt hat. Die These, dass sie daran nicht schuldlos ist, macht die Runde. Sind etwa sozialpolitische Fragen ins Hintertreffen geraten? Wurden deshalb bestimmte Menschen in die Arme der Rechten getrieben? Muss also ein radikaler Strategiewechsel her oder gilt vielmehr: Nicht verunsichern lassen? Darüber wollen wir mit unseren Gästen diskutieren.

Cornelia Koppetsch ist Professorin für Geschlechterverhältnisse, Bildung und Lebensführung an der TU Darmstadt. In der vielbeachteten Gegenwartsstudie Die Wiederkehr der Konformität – Streifzüge durch die gefährdete Mitte (2013) analysiert sie die Angst vor sozialem Abstieg als das prägende Gefühl der Mittelschicht.

Katja Kullmann lebt als Schriftstellerin und Journalistin in Berlin. Sie ist Mitglied der Chefredaktion des Freitag. Neben popkulturellen Themen beschäftigt sie sich mit „sozialem Statusgerangel, dem Geschlechterzirkus und der wundersamen Welt der Arbeit“. Von ihr ist zuletzt der Band Rasende Ruinen (2012) erschienen, eine Reportage über den Niedergang der US-Autometropole Detroit.

Oliver Nachtwey ist Ökonom und Soziologe. Im vergangenen Jahr hat er mit Die Abstiegsgesellschaft einen viel diskutierten soziologischen Bestseller vorgelegt, der den Nerv der Zeit trifft. Zu seinen Interessenschwerpunkten zählen Arbeits- und Industriesoziologie sowie vergleichende Kapitalismusforschung.

Eintritt: 6.- / 4.- // Veranstaltungsort: Orange Peel, Kaiserstraße 39, 60329 Frankfurt am Main

text&beat wird gefördert vom Kulturamt Frankfurt am Main. Präsentiert von ByteFM.

text&beat sind: Jesko Bender, Carolin Callies, Silke Hartmann, Malte Kleinjung, Michael Müller, Kai Staudacher, Klaus Walter

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Mittwoch, 29. März, 20 Uhr

Ja, Panik „Futur II“- Ein Abend mit Sebastian Janata, Laura Landergott und Andreas Spechtl

„wegen der namensproblematik. der clemens hat vorgeschlagen dass wir uns einfach „ja, panik“ nennen und dass das album gar keinen namen hat. find ich eigentlich ziemlich gut. was sagts ihr?“ from: Andreas Spechtl. Sent: 12.11.2005, 18:09

Ja, Panik, die mittlerweile in Berlin ansässige österreichische Gruppe, feierte 2016 ihren 10. Geburtstag. Aus diesem Anlass haben sich die Mitglieder in einem einmonatigen Experiment gegenseitig ihre Version der Bandgeschichte erzählt. Herausgekommen ist dabei ein irrer Briefwechsel. Der Schlagzeuger Sebastian Janata und der Bassist Stefan Pabst begaben sich in die Ja, Panik-Archive in Wien und Berlin. Die Keyboarderin Laura Landergott interviewte für die Bandgeschichte prägende Persönlichkeiten. Die Resultate dieser Recherchen unterzog Songwriter Andreas Spechtl täglich einer strengen Prüfung. So entstand aus dem E-Mail-Verkehr eine Geschichte der Gruppe, vom Verbrecher Verlag als großartiges Buch herausgegeben. Gleichzeitig zum Buch ist der Song FUTUR II erschienen. Er ist Agitprop in bester Ja, Panik-Manier. Andreas Spechtl redet sich elegant in Rage, während die Band stoischen Post-Punk zelebriert.

Ihre reale und fiktive Band-Geschichte werden Andreas Spechtl, Sebastian Janata und Laura Landergott von Ja, Panik nun bei text&beat erzählen. Mit Clips, Dias und Musik.

Zwischen dem luftigen Gitarrenpop auf ihrem noch im Wiener Umland eingespielten Erstling und den mit Dreampop, Funk und Wave liebäugelnden Stücken auf ihrem jüngsten Album „Libertatia“, haben Ja, Panik einen Stil kultiviert, der trotz Facettenreichtums stets eine ganz eigene, auf eben diese Band zurückzuführende Ästhetik aufweist. Die Art, mit der die Gruppe Ja, Panik souverän vom Burgenland über Wien nach Berlin driftete und sich innerhalb kürzester Zeit mit Alben wie „The Taste and the Money“, „The Angst and the Money“ und nicht zuletzt dem bedeutungsschwangeren „DMD KIU LIDT“ zu einer der intelligentesten wie auch spannendsten deutschsprachigen Bands mauserte, war und ist erschreckend locker. Die Spex bezeichnete schon ihr zweites Album nicht umsonst als die »wichtigste deutschsprachige Platte seit Blumfelds ›L’Etat Et Moi‹«.

Eintritt: 7,- / 5,- // Veranstaltungsort: Orange Peel, Kaiserstraße 39, 60329 Frankfurt am Main

text&beat wird gefördert vom Kulturamt Frankfurt am Main. Präsentiert von ByteFM.

text&beat: Carolin Callies, Silke Hartmann, Malte Kleinjung, Michael Müller, Kai Staudacher, Klaus Walter