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(Un)Common People, Iron Ladies & Cocaine Socialism – Owen Hatherley und die britischen Verhältnisse

29. Mai 2013, 20 Uhr, Orange Peel

Owen Hatherley

„Pulp war die letzte große Band, deren Mitglieder sich ihrer Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse bewusst waren und sich gleichzeitig als Künstler verstanden.“

Mit dieser ebenso wuchtigen wie fragwürdigen These kommt „These Glory Days – Ein Essay über Pulp und Jarvis Cocker“ daher, ein Buch des Londoner Autors Owen Hatherley. Für ihn erzählen Pulp-Songs von einer untergegangenen Epoche „als es noch möglich war, eine Sozialwohnungzu bekommen, trotzdem man noch Arme und Beine hatte und auch keine Großfamilie war.“ Hatherleys Buch öffnet Augen und Ohren für eine Neulektüre von Pulp, oder besser: für ein Neuhören. Die britische Klassengesellschaft, ihre Opfer, ihre Täter, das sind die Themen von Pulp wie von Hatherleys „These Glory Days“. Im Original heißt das Buch „Uncommon“. Der treffendere Titel, schließlich geht es um Common People und Pulp und nicht um Morning Glory und Oasis. Morning Glory heißt übrigens „spitzblättrige Trichterwinde“. Geläufiger ist „Morgenlatte“. Um Sex geht es oft bei Pulp, um Morgenlatten eher weniger. Hatherley liegt sicher richtig, wenn er in Jarvis Cocker die „Antithese zum machistischen Lad, wie er von Oasis repräsentiert wird“ sieht.

Owen Hatherley ist Jahrgang 1981, drei Jahre jünger als Pulp und erzählt die Geschichte der Band als ein Stück englischer Sozialgeschichte. Das Großartige an Pulp ist ihre Gegenwartshaltigkeit, am überzeugendsten, wenn sie Klassenfragen mit Sexfragen verknüpfen, gerne auch mit Architektur.

Schließlich rechnet Hatherley auch mit Britpop ab, dem Propaganda-Schlachtschiff von Tony Blairs Cool Britannia. Den Pulp-Song »Cocaine Socialism« bezeichnet er als gelungene Attacke auf New Labour. „Die Boshaftigkeit von »Cocaine Socialism« wurde angetriggert von den ersten Amtshandlungen der neuen Regierung: Der unverzügliche Angriff auf die Schwachen. Die allgemeine, kostenlose höhere Bildung wurde abgeschafft, Bezüge Alleinerziehender und das Invaliditätsgeld wurden gekürzt.“

Owen Hatherley im Gespräch mit Christian Werthschulte und Klaus Walter, und sicher wird es auch um die kürzlich verstorbene Baroness Thatcher gehen, außerdem wird Owen Hatherley Videos zeigen und Musik mitbringen.

Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Eintritt: 6 €   ermäßigt 4 €

Mit freundlicher Unterstützung vom